Die Pommersche Bucht ist ein Übergangsraum zwischen zwei Schweinswal-Populationen: der westlichen Beltsee-Population und der stark gefährdeten Baltic Proper-Population der zentralen Ostsee. Aus diesem Gebiet und angrenzenden Gewässern östlich von Rügen wurden Daten aus zwölf Jahren passiv-akustischen Monitorings ausgewertet. Dabei erfassten stationäre Messgeräte die hochfrequenten Klicklaute, mit denen sich Schweinswale orientieren und nach Nahrung suchen.
Es zeigte sich ein deutlich zunehmender Trend bei den akustischen Detektionsraten von 2010/11 bis 2021, vor allem im saisonalen Zeitraum Mai bis Oktober. Im Herbst fiel der Anstieg über die Jahre hinweg moderater aus. Im Winter, in dem insgesamt nur wenige Detektionen auftraten, ergab sich kein einheitliches Bild.
Die Daten belegen hierbei eine Zunahme der akustischen Präsenz. Dies ist zwar ein Hinweis, aber kein direkter Nachweis für eine Zunahme der Bestandsgröße.
Die Ergebnisse stehen insgesamt im Einklang mit einer stärkeren saisonalen Nutzung östlicher Gebiete durch Schweinswale der Beltsee-Population. So ist zu vermuten, dass Schweinswale dieser Population die Pommersche Bucht in den wärmeren Monaten über die letzten Jahre hinweg immer stärker nutzen und hierbei weiter nach Osten vordringen als bisher angenommen. Im Winter können auch Tiere der gefährdeten Baltic Proper-Population aus der zentralen Ostsee in diesem Gebiet auftreten.
Gleichzeitig bleibt offen, welche Rolle Umweltveränderungen, Beuteverfügbarkeit, Verhalten der Tiere oder die Nachweisbedingungen spielen. Die Studie unterstreicht damit die Bedeutung langfristiger Monitoringprogramme in einer Region, die durch Schifffahrt, Fischerei, Offshore-Windenergie und weitere Nutzungen stark beansprucht ist.

