Sterntaucher überwintern in relativ flachen und stark anthropogen genutzten Küstengewässern der Nord- und Ostsee. Aus früheren Untersuchungen ist bekannt, dass die Art sehr sensibel auf Störungen reagiert und Offshore-Windparks häufig großräumig meidet.
Unklar war jedoch, ob diese Verdrängung nur zu räumlichen Verschiebungen führt oder auch Auswirkungen auf die Nahrungssuche, das Aktivitätsbudget, den Energieverbrauch und somit langfristig auf die lokale Population hat.
Mit dieser Fragestellung beschäftigte sich das Projekt DiverLog, dessen Abschlussbericht nun vorliegt.
Ziel des Projekts war es, individuelle Verhaltensmuster von Sterntauchern mithilfe moderner GPS-Logger genauer zu erfassen als in vorangegangenen Studien.
Dazu wurden von 2022 bis 2024 insgesamt 68 Sterntaucher im Frühjahr in der östlichen Deutschen Bucht gefangen und mit Sendern ausgestattet, die Positionsdaten und zum Teil auch die Tauchaktivität der Vögel aufzeichneten.
Die Studie lieferte damit eine erste detaillierte Untersuchung des Nahrungssuchverhaltens von Sterntauchern in einem Offshore-Habitat außerhalb der Brutzeit. Es zeigte sich, dass die Vögel durchschnittlich nur 2,3 Stunden pro Tag mit der Nahrungssuche verbrachten.
Insgesamt zeigte sich beim Aktivitätsbudget, dass das Flugverhalten und somit der Energieverbrauch leicht zunahmen, wenn sich die Vögel Offshore-Windparks näherten.
Die Informationen zur Habitatnutzung, zum Tauchverhalten, zum Zeit-Aktivitäts-Budget sowie zum Energieverbrauch der Sterntaucher im Untersuchungsgebiet konnten abschließend in ein individuenbasiertes Modell (IBM) integriert werden. Mithilfe dieses Modells wurden die energetischen Auswirkungen der Präsenz von Offshore-Windparks auf die Kondition der Sterntaucher untersucht.
Die Ergebnisse des IBM zeigten einen leicht negativen Effekt von OWPs auf das durchschnittliche Körpergewicht der Sterntaucher. Die ökologische Relevanz dieser Veränderung, insbesondere im Hinblick auf mögliche Auswirkungen auf Populationsebene, bleibt Gegenstand weiterer Untersuchungen.
Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung der marinen Raumordnung: Bei der Planung von Offshore-Windparks sollten wichtige Seetaucherhabitate möglichst gemieden werden. Wo dies nicht vollständig möglich ist, kommt der Regulierung des windparkbezogenen Schiffsverkehrs eine besonders wichtige Rolle zu.
Die Autorinnen und Autoren der Studie schlagen zudem ein langfristiges luftbildbasiertes Monitoring der Seetaucher vor, um potenzielle zukünftige Veränderungen im Verhalten der Vögel gegenüber Windparks zu untersuchen und zu dokumentieren.
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