Beim Betrachten der Aufnahmen rieb sich unser Bestimmungsteam zunächst ungläubig die Augen. Doch die charakteristische Silhouette mit dem kurzen Schwanz, die grauweiße Gefiederfärbung und die markanten schwarzen „Schulter“-Abzeichen ließen keine Zweifel: Unsere ultrahochauflösenden Videokameras haben einen Gleitaar erfasst!
Unser Nachweis viele Kilometer nördlich der Ostseeinsel Rügen Mitte April ist gleich doppelt außergewöhnlich. Der Gleitaar ist in Deutschland eine Seltenheit und meidet zudem die offene See. Möglicherweise handelt es sich bei unserem Fund sogar um den ersten Nachweis dieser Art auf offener See überhaupt.
Der Gleitaar (engl. Black-winged Kite, lat. Elanus caeruleus) ist ein kleiner Greifvogel, dessen ursprüngliches Verbreitungsgebiet vor allem in Afrika, Südasien und auf der Iberischen Halbinsel liegt. In den letzten Jahren wurde eine deutliche Zunahme der Beobachtungen in Mitteleuropa registriert. Im vergangenen Jahr gelangen schließlich die ersten Brutnachweise in Deutschland und Dänemark.
Der außergewöhnliche Fund gelang im Rahmen einer digitalen Flugerfassung. Mit dieser Methode werden Vögel und Meeressäuger auf großen Meeresflächen systematisch erfasst.
Hochauflösende Kameras liefern dabei Bild- und Videomaterial, das anschließend ausgewertet wird. Die gewonnenen Daten geben Aufschluss darüber, in welcher Dichte und Verteilung die Tiere vorkommen und schaffen damit eine wichtige Grundlage für Forschung, Meeresschutz und die nachhaltige Nutzung mariner Lebensräume.
Weitere Informationen zur digitalen Flugerfassung finden Sie hier.
