Wie beeinflussen Offshore-Windparks die Verteilung von Seetauchern in der Deutschen Bucht?

Husum,

Eine neue Publikation zeigt eine stark asymmetrische Vertreibung von Seetauchern durch Windparks mit deutlichen räumlichen Unterschieden zwischen den untersuchten Windpark-Clustern.

Ein Sterntaucher im Prachtkleid schwimmt auf einem See.

Die Publikation von BioConsult SH und IBL Umweltplanung ist Teil einer Studie, die auf Daten aus flugzeuggestützten Erfassungen von Seetauchern (Stern- und Prachttauchern) über einen Zeitraum von zwei Jahrzehnten basiert. Die Daten wurden im Rahmen von Monitoringprogrammen für 20 Offshore-Windparkprojekte in der Deutschen Bucht erhoben. 
Mit einem joint-likelihood bayesischen räumlichen Modell verglichen wir die Verteilung der Seetaucher vor dem großräumigen Ausbau der Offshore-Windenergie (2001–2008) mit ihrer Verteilung in den Jahren, nachdem die untersuchten Windparks in Betrieb genommen worden waren (2017–2021). 
Finanziert wurde die Gesamt-Studie durch den Bundesverband Windenergie Offshore e.V. (BWO). Dieser Teil der Ergebnisse wurde jetzt im Journal of Environmental Management publiziert.

Verdrängung unterscheidet sich zwischen Windpark-Clustern

Die Ergebnisse zeigen, dass Verdrängungseffekte von Offshore-Windparks auf Seetaucher räumlich sehr unterschiedlich ausgeprägt sein können. Sowohl die Stärke als auch die räumliche Ausdehnung der festgestellten Effekte variierten zwischen verschiedenen Windpark-Clustern. Zudem waren die Verdrängungsmuster teilweise deutlich asymmetrisch.
Die Auswirkungen von Offshore-Windparks auf die Verteilung der Vögel lassen sich daher nicht ausreichend durch einen einheitlichen Meideradius beschreiben. Für die Bewertung kumulativer Auswirkungen und die marine Raumordnung ist eine räumlich differenzierte Betrachtung deshalb von besonderer Bedeutung.
Die Unterschiede zwischen den untersuchten Gebieten deuten zugleich darauf hin, dass die Reaktion der Seetaucher nicht allein durch die Anwesenheit oder die Entfernung zu einem Offshore-Windpark erklärt werden kann. Auch standort- und nutzungsbezogene Faktoren könnten eine Rolle spielen. Dazu zählen beispielsweise Strömungsverhältnisse und Nahrungsverfügbarkeit, die Anordnung der Windenergieanlagen sowie Schiffsverkehr oder Fischerei im Umfeld der Windparks. Welche Bedeutung die einzelnen Faktoren haben, bleibt Gegenstand weiterer Untersuchungen.
 

Statistischer Ansatz auch auf andere Fragestellungen übertragbar

Ein weiterer Schwerpunkt der Publikation liegt auf dem entwickelten statistischen Verfahren. Obwohl das Verfahren in dieser Studie anhand von Seetauchern und Offshore-Windparks entwickelt wurde, ist es nicht auf diese Artengruppe oder die Offshore-Windenergie beschränkt. 
Der Ansatz ermöglicht es auch, räumliche Veränderungen in der Verteilung anderer Arten differenziert zu untersuchen und Auswirkungen menschlicher Aktivitäten auf Basis geeigneter Monitoringdaten zu bewerten.
Um eine weitere Anwendung und Weiterentwicklung zu ermöglichen, ist der vollständige Programmcode auf GitHub frei zugänglich. Code und Eingangsdaten sind zusätzlich dauerhaft auf Zenodo archiviert. Damit lässt sich die Analyse nachvollziehen, reproduzieren, testen und für andere Untersuchungen anpassen.
 

Vilela, R., Burger, C., Diederichs, A., Szostek, L., Freund, A., Braasch, A., & Nehls, G. (2026)

Spatial redistribution of divers in response to offshore wind farms: A joint-likelihood Bayesian approach to assess seabird distribution changes (2026)

Journal of Environmental Management, Volume 417, 2026, 130885, ISSN 0301-4797, https://doi.org/10.1016/j.jenvman.2026.130885.